Programm der Foundation

Erhaltung schamanischen Wissens und dessen Weitergabe – diese Grundprinzipien der Foundation for Shamanic Studies gelten auch für die Seminare der Foundation.

Schamanische Techniken finden sich bereits in der Jungsteinzeit (in Europa etwa bis 32.000 v. Chr. nachgewiesen - Höhle von Chauvet; in Australien wahrscheinlich bis zu 40.000 Jahre alt). Wie in den Stammesgesellschaften Schamanen gefunden und ausgebildet wurden und werden: Siehe den Artikel von Ute Moos „Berufung und Ausbildung von Schamanen in nativen Kulturen”. Die für das Schamanentum wesentlichen Eigenheiten der meisten neolithischen Gesellschaften sind Existenz und Akzeptanz von Schamanen und Schamaninnen, die „durch die Geister” berufen und von Älteren dem Stamm gegenüber eingeführt wurden. Ihnen oblag vor allem der Kontakt zu den Wesen der nicht alltäglichen Wirklichkeit (den spirits), sie hatten rituelle, divinatorische und heilerische Aufgaben. Der rituelle Komplex war häufig umfangreich, vor allem deshalb dauerte die Ausbildung oft Jahre. Der Schamane kann nur im Kontext seiner Gesellschaft gesehen werden, ihr dient er. Er hat also vor allem eine soziale Funktion.

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In „unserer” Kultur, nämlich in der der Industriegesellschaften des Westens des 21. Jahrhunderts, wird Wissen üblicherweise in Lehrveranstaltungen, in Vorlesungen und Seminaren, vermittelt. Die der FSS sind praxisorientiert und basieren auf eigener Erfahrung. Der Anfänger erhält auf diese Weise schnell und effizient die notwendigen Informationen für die schamanische Arbeit; umsetzen muss er sie freilich selber. So kommt auch der moderne Mensch in Kontakt mit uraltem Wissen und klassischen Techniken; dies enthebt ihn jedoch nicht der Aufgabe, möglichst selbstständig und eigenverantwortlich seinen weiteren Weg in der nicht alltäglichen Wirklichkeit zu gehen – den Weg des Schamanen.

Harners Idee der Foundation for Shamanic Studies als eine universitätsähnliche Einrichtung setzt auf Qualität, Überschaubarkeit und Abgrenzung. Die Mitglieder der Internationalen Fakultät, die Lehrbeauftragten, haben jahre-, oft jahrzehntelange Erfahrung, strenge Qualitätskriterien zu erfüllen und die Verpflichtung zur regelmäßigen Weiterbildung. Da schamanisches Wissen mit dessen Anwendung untrennbar verknüpft ist, spielen auch ethische Kriterien eine große Rolle (nil nocere – niemals Schaden zufügen).

Seminare
Zusätzlich zum Basis-Seminar gibt es Fortgeschrittenen-Seminare, in denen Interessierte weitere Techniken und deren Anwendung lernen. Einer der Schwerpunkte ist gemäß der Tradition der Stammesgesellschaften das schamanische Heilen. Für den Anwender, den practitioner, ist der gute Kontakt zu den eigenen Hilfsgeistern unverzichtbar.

Harner hat die Zahl dieser Seminare bewusst klein und damit überschaubar gehalten. Dies zeugt einerseits von dem Respekt den spirituellen Helfern gegenüber, denn diese sind die eigentlichen Autoritäten des Schamanen; von Krafttieren, Lehrern und anderen Verbündeten kann der Lernende alle für ihn wichtigen Informationen erhalten. Anderseits wird damit betont, dass Schamanismus ein spirituelles System sui generis, also ein eigenständiges System aus vorwissenschaftlicher Zeit ist. Es ist als solches perfekt und bedarf weder der modernen Wissenschaft, um zu funktionieren, noch kennt es eine Ausbildung im Sinne westlicher wissenschaftlicher Systeme: Ein „Diplom-Schamane” etwa wäre eine contradictio in se, also ein Widerspruch in sich selbst.

Dies ist auch als Abgrenzung zu verstehen: Schamanismus hat es nicht notwendig, mit anderen, vermeintlich „besseren” oder „fortschrittlicheren” Systemen vermischt zu werden.